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Wildpilze haben Konjunktur

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Der Steinpilz ist ein beliebter Waldpilz bei Sammlern. Foto: Christian Moeris

Trier/Utscheid. 2017 habe sich bis jetzt als hervorragendes Pilzjahr gezeigt, sagt der Eifeler Pilzexperte Peter Winandy aus Utscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm), der mehr als 40 essbare Arten unterscheiden kann. „Schon im Mai, als es ordentlich geregnet hat, ging das Pilzjahr los“, sagt Winandy. „Seitdem gab es Pfifferlinge in Massen.“ Für den Steinpilz sei es ein eher normales Jahr gewesen – aber auf keinen Fall ein schlechtes, meint der Experte.

Pilzsaison beginnt

immer früher

„Es geht vor allem immer früher los, habe ich den Eindruck.“ Die Pilzsaison beginne – eventuell bedingt durch den Klimawandel – nunmehr ganze zwei Monate früher, sagt Winandy. „Vor 40 Jahren hat man frühestens im August Pfifferlinge gefunden. In diesem Jahr ging es aber bereits im Mai und Juni los“, sagt Winandy. Der Pilzexperte rechnet dagegen in diesem Jahr mit einem frühen Saisonende.

„Ende Oktober wird wohl in diesem Jahr Schluss sein. Die Bäume verfärben sich schon und verlieren teils schon ihr Laub.“ Damit es sich bis Ende Oktober aber nochmals lohnen könne, in die Pilze zu gehen, „muss es jetzt dringend nochmal kräftig regnen“, sagt Winandy. Sein Tipp: „Die meisten Pilzsammler gehen, wenn es geregnet hat, zu früh nach Pilzen schauen und wundern sich dann, dass sie nichts finden. Man sollte etwa zehn Tage warten.“

Pfifferling. Foto: pixabay.com

Ob sie Pilze finden oder nicht: Die Zahl der Sammler, die sich in den heimischen Wäldern auf die Jagd nach den Delikatessen machen, steigt nach Einschätzung von Gundolf Bartmann, Leiter des Forstamtes Trier, von Jahr zu Jahr: „Da das Interesse an der eigenen Ernährung und regionalen Lebensmitteln steigt.“ Alle Pilzkurse des Forstamts seien in diesem Jahr restlos ausgebucht gewesen, sagt Bartmann. „Aber wir werden nicht noch mehr Kurse dazu anbieten. Denn damit würden wir die Zahl der Pilzsammler noch künstlich in die Höhe treiben, was im Wald für Unruhe sorgen könnte“.

Nach Einschätzung des Forstamtleiters haben die heimischen Sammler hauptsächlich vier Pilz arten im Visier: den Steinpilz, den Pfifferling, den Maronenröhrling sowie den Parasolpilz (Riesenschirmling). Das Sammeln anderer Pilzarten berge ein weit höheres Verwechslungsrisiko mit Giftpilzen, sagt Bartmann, weshalb sich die meisten Sammler eben auf diese Arten beschränken würden. „Man soll nur solche Pilze sammeln, die man kennt und eindeutig bestimmen kann.“

Damit die steigende Zahl der Sammler auch weiterhin Speisepilze im Wald finde, sei es wichtig, „dass die Sammler die Pilze nicht aus dem Boden reißen, sondern über der Erdoberfläche abschneiden“, sagt Bartmann. „Sonst nimmt das Pilzgeflecht unter der Erde Schaden.“

Maronenröhrling. Foto: Mechthild Schneiders

Zudem sollten Sammler stets ein paar Exemplare, „die den Zenit schon überschritten haben“, stehen lassen. „Wenn alles großflächig abgeerntet wird, ist das schlecht. Aber für die Vermehrung reicht es schon aus, wenn ältere oder gammlige Exemplare stehen gelassen werden.“ Aus seiner Sicht, sagt Bartmann, könne man derzeit aber noch nicht von einer Gefährdung der heimischen Pilzarten sprechen.

Das liege auch daran, dass die Region im Gegensatz zu anderen Gebieten kaum von gewerblichen Pilzsammelkolonnen heimgesucht werde. „Das kommt beispielweise in der Nähe der Ballungszentren wie im Taunus bei Frankfurt oft vor. Dort engagieren die Großhändler Kolonnen, die alles großflächig abernten.“

Im Rahmen ihrer personellen Möglichkeit könnten die Forstämter jedoch nicht in der Fläche kontrollieren, sagt Bartmann. „Wenn überhaupt, dann erwischen wir mal einen per Zufall. Aber auch hier gibt es bei der ersten Begegnung meist eine Verwarnung.“

Parasolpilz. Foto: pixabay.com

Eine erste Verwarnung handeln sich nach Angaben des Forstamtsleiters auch private Pilzsammler ein, welche mehr als haushaltsübliche Mengen, die man an einem Tag mit seiner Familie verzehren könne, einsammeln würden. Bartmann: „Als Obergrenze gilt hier ungefähr die Größe eines Einkaufskorbes mit dem man beispielsweise auf dem Markt einkaufen geht.“ Für die ganze Fußballmannschaft sammeln, sei nicht okay.

Und damit das Pilzmenü nicht im Krankenhaus endet, rät Bartmann von Mischpilzpfannen ab. „Mischpilze sammeln ist nur etwas für Experten. Je mehr ich mische, desto gefährlicher wird es.“ Bei solchen kulinarischen Experimenten solle man auf jeden Fall ein paar Reste in der Pfanne lassen, damit notfalls die Analytiker im Krankenhaus die Giftstoffe bestimmen könnten. Bartmann: „Und Beschwerden nach Pilzgerichten bitte ernst nehmen, wenn man merkt, es geht einem nicht so gut.“

Christian Moeris