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Wenn die neue die alte Heimat trifft

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Mechthild Schneiders

Es ist eine Sensation. Im Trierer Amphitheater finden Arbeiter des Grünflächenamts eine Steintafel. Ersten Untersuchungen nach soll sie aus dem 2. Jahrtausend vor Christus stammen. Und wenn man den Trierer Historikern glauben darf, ist sie der Beweis für die Legende der Stadtgründung durch Trebeta. Der Sohn des Assyrerkönigs Ninus soll vor seiner Stiefmutter Semiramis ins heutige Europa geflohen und die Stadt Trier gegründet haben.

Posted by Stefan Bastians on Mittwoch, 17. Januar 2018

Menschen versammeln sich um den Fundort. Ein kurzes Ablenkungsmanöver – und schon ist die Tragödie passiert. Dort, wo eben noch die antike Tafel die Menschen verzückt hat, klafft jetzt ein großes Loch in der Erde. Der Stein ist verschwunden – spurlos. Deutsche und syrische Wissenschaftler, aber auch internationale Agenten machen sich auf die Suche nach dem Artefakt.

Ganz so tragisch, wie sich das liest, ist es nicht. Denn das Drama ist nicht real, sondern der Anfang der Krimi-Soap „Trevirus“. Hier vermischt sich die Geschichte ihrer neuen mit ihrer alten Heimat, denn die meisten Darsteller sind Geflüchtete. Die Idee zu „Trevirus“, eine Geschichte rund um die Gründungssage der Stadt, stamme von ihm, sagt Stefan Bastians. Der Regisseur hat in Trier die Tufa-Jazzoper „Blue Sheets“ (2015), das Musiktheater „Odyssee.16“ (2016) mit Geflüchteten, Profi- und Laiendarstellern sowie das Theaterstück „Hexenjagd“ (2017) inszeniert.

Nun erneut ein Werk mit Geflüchteten. Insgesamt acht Monate hat Bastians mit zwölf Männern aus Syrien und einer Iranerin an dem Projekt gearbeitet, das an der Tuchfabrik in Kooperation mit dem Limelight Theater realisiert und vom Jobcenter Trier Stadt als Integrationsmaßnahme finanziert wurde. Die 13 Akteure haben in verschiedenen Positionen mitgearbeitet. Gemeinsam mit Bastians haben sie das Drehbuch entwickelt und die Szenen geschrieben. Sie haben Requisiten angefertigt, Kostüme genäht, vor und hinter der Kamera agiert und den Film mitproduziert. Ganz nebenbei haben sie ihre Deutschkenntnisse verbessert und viel über die Geschichte Triers gelernt. Den Soundtrack hat Mohamed Kushari komponiert und zusammen gemeinsam mit Andreas Buhs eingespielt.

Verstärkung erhielt das Team von deutschen und syrischen Akteuren. So spielt unter anderem Sandra Karl eine Museumsdirektorin, Claudia Stephen und Manfred Rath Agenten. Stephen zeichnet – wie auch schon bei „Odyssee.16“ und „Hexenjagd“ – für die Organisation und Produktion verantwortlich.

Die Kamera übernahm ein Profi: Thomas Ch. Weber. Er hat bereits für die Serie „Schätze der Welt“ Dokumentarfilme in Syrien gedreht – ein Grund für sein Interesse an der Arbeit mit Flüchtlingen aus diesem Land. Weber filmt unter anderem Serien wie „Soko Stuttgart“, „Heldt“, „Dr. Klein“ und Dokumentationen wie für die Serie „Schätze der Welt“, aber auch kommerzielle Filme und Low-budget-Projekte wie „Trevirus“. An der Produktion des Films waren zudem der Bürgerrundfunk OK54, der Verein Limelight und für den professionellen Farbabgleich Elmar Weinhold beteiligt. Gedreht im Amphitheater, aber auch im Stadtmuseum Simeonstift, im Exhaus, in einer Shisha-Bar, einer Kneipe, in einem Steinbruch, auf dem Flugplatz Föhren und sogar in der Luft.

„Trevirus“ zeigt bereits erste Erfolge: Zwei Teilnehmer haben einen festen Job, einer hat eine Ausbildung begonnen, einer absolviert ein Praktikum, und einer studiert inzwischen an der Universität Trier.

Mechthild Schneiders

 

Service

Wo Broadway Filmtheater

Datum 6., 14. Februar, 6. März

Beginn 19.30 Uhr

Karten 5 Euro