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Wenn der Hass regiert

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Probenszene „Heyenjagd“: Reverend John Hale (Anas Khaled) befragt Tituba (Rosi Emondts-Richter). Foto: Mechthild Schneiders

Salem, USA, 1692. Das Leben ist hart in den neuen Kolonien. Spaß haben, lesen, tanzen – geht nicht. Da erwischt Pfarrer Samuel Parris einige Mädchen bei okkulten Tänzen – darunter seine Tochter Betty, seine Nichte Abigail Williams sowie die Hausangestellte Tituba. Um sich zu schützen, lassen sich die Mädchen sonderbare Krankheiten einfallen – kein Arzt kann sie heilen. Schnell keimen Gerüchte auf, jeder will etwas Obskures gesehen haben: Teufelswerk – sogar Hexerei.

Um straffrei davonzukommen, erfinden die Mädchen Lügen, denunzieren Gemeindemitglieder – auch ehrbare und hoch angesehene. Und Abigail erfasst die Chance für ihren privaten Rachefeldzug. Das ganze Dorf ist in Aufruhr: Viele nutzen die Gelegenheit, ungeliebte Menschen loszuwerden oder sich zu bereichern. Die Hexenjagd beginnt.

„Hexenjagd“ lautet der Titel des Theaterstücks des amerikanischen Dramatikers Arthur Miller, das auf diesen historischen Ereignissen basiert. Geschrieben 1953, in der Zeit der Kommunistenjagd in der McCarthy-Ära. Heute, 325 Jahre nach Salem, wird wieder von „Hexenjagd“ gesprochen, grassieren Fake-News, hetzt der US-Präsident offen gegen politische Gegner, streuen Politker bewusst Lügen.

„Es ist wieder möglich, Menschen kaputt zu machen, sie auf den Scheiterhaufen der Medien zu schicken, wo sie verbrannt werden – aus purem Neid, aus Gier“, sagt Stefan Bastians vom Limelight Theater, der das Drama für die Theaterreihe „Tufa Classics“ inszeniert. Bastians hat bereits die Regie in den Tufa-Produktionen „Blue Sheets“ und „Odyssee.16“ übernommen. Sein aktuelles Stück nennt er „Hexenjagd – Ein Hysterienspiel“ – sozusagen ein auf die Spitze getriebenes Mysterienspiel, eine seit dem Altertum bis ins späte Mittelalter praktizierte Form der Darstellung von religiösen Glaubensinhalten. Wobei Hexenverfolgung nichts mit Mittelalter zu tun hat; sie war ein Phänomen der frühen Neuzeit.

Bastians hat sein Stück zeitlos angelegt – mit einem Touch Postapokalypse. Er hat die Vorlage komprimiert und ihr eine Gruppe Gaukler hinzugefügt, singende, erzählende Akteure, Gestalten, die aussehen, als hätten sie einen Atomkrieg überlebt.

Für die Rolle des John Proctor hat Bastians Neven Nöthig gewonnen, der in zahlreichen Fernseh- und Theaterproduktionen wie „Der Bär“ und „Faust 1“ (2016) im Kaleidoskop Theater Luxemburg sowie 1999 am Theater Trier mitgewirkt hat. Claudia Stephen spielt seine Frau Elisabeth, Elisabeth Sterzer Abigail Williams und Sandra Karl Richterin Danforth. Mit dabei sind auch Akteure der „Odyssee“: Anas Khaled (Hale), Ali Sheikhmous (Cheever), Fares Khalaf (Willard) sowie Mitglieder des Trierer Bürgerchors.

Mechthild Schneiders

 

Info

Was Theater

Wo Innenhof der Tuchfabrik Trier (bei Regen großer Saal)

Wann 17., 18., 19. und 20. August, jeweils 21 Uhr

Karten 18/15 Euro

 

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