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Wann kommt der Wolf zurück in die Region?

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Region. Ein luxemburgischer Landwirt hat vor wenigen Wochen, nur 50 Kilometer von Trier entfernt, ein Tier gesichtet und fotografiert. Die Behörden gehen davon aus, dass es sich um einen Wolf handelt, dies ist jedoch nicht vollständig geklärt. Klar ist aber: Das vor langer Zeit in unseren Wäldern ausgerottete Raubtier kämpft sich seinen Weg zurück. Doch nicht alle Menschen in der Region heißen das sagenumwobene Tier willkommen.

Streift der Wolf vielleicht schon durch die Wälder im Hochwald und in der Eifel? Oder ist er wieder dorthin zurückgelaufen, wo er herkam – möglicherweise nach Italien oder Ostdeutschland? Wo sich der Wolf, der angeblich Anfang Juli im Wald bei Leudelingen (Luxemburg) gesichtet wurde, heute herumtreibt, ist nicht bekannt. Das scheue Raubtier, lateinische Bezeichnung Canis lupus, kann in der Woche Hunderte Kilometer zurücklegen. „Große Probleme bereiten dem Wolf dabei allerdings Straßen“, sagt die Diplom-Biologin Cosima Lindemann, Referentin des Naturschutzbunds (Nabu) Rheinland-Pfalz. „Viele Tiere werden überfahren, weil sie die Geschwindigkeit von Autos nicht einschätzen können.“

Jungtiere gehen auf Wanderschaft

Darüber, dass der Wolf früher oder später auch nach Rheinland-Pfalz zurückkehrt, herrscht bei den Experten kein Zweifel mehr. Bereits mehr als 50 Wolfsrudel haben sich wieder im Nordosten Deutschlands angesiedelt – „und der Nachwuchs geht auf Wanderschaft, um neuen Lebensraum zu erschließen“, sagt die Biologin. Die Frage lautet deshalb nur mehr: Wann? „Das kann noch zwei oder drei, aber auch noch zehn Jahre dauern. Darüber kann man nur spekulieren“, sagt Lindemann. „Wenn ein Wolfspärchen einen neuen Wurf bekommt, verabschieden sich die Jungtiere aus dem vorherigen Wurf mit der Geschlechtsreife und gehen auf Wanderschaft, um ein eigenes Revier zu finden“, erklärt Lindemann. Die Biologin meint, dass es sich bei dem in Luxemburg gesichteten Tier möglicherweise um solch einen jungen Wanderwolf gehandelt haben könnte.

Aber welche Kriterien entscheiden darüber, ob sich ein Wolf in einem Gebiet niederlässt oder weiter wandert? „Letztlich muss der Lebensraum stimmen.“ Nahrung wie Rehe und Wildschweine finde der Wolf in der Region mit Sicherheit genug, sagt Lindemann. „Aber kleine Kinder frisst er nicht – auch wenn die These immer wieder zu hören ist.“ Entscheidend für eine Ansiedelung sei vor allem, ob der Wolf einen Partner habe oder finden könne. „Etablieren kann sich nur ein Rudel.“

Die Wildtierkameras des Nationalparks Hunsrück-Hochwald haben bislang noch kein Wolfsrudel abgelichtet. „Dabei wäre das Tier für uns eine interessante Bereicherung“, erklärt Martin Döscher, Wildtiermanager des 10 000 Hektar großen Parks. „Der Hoch- und Idarwald ist durchaus imstande, Wölfen ausreichend Nahrung zu geben.“ Aber das gleiche gelte auch für das Moseltal, das schließlich voller Wildschweine stecke, meint der studierte Forstwirt.

„Wir Bauern teilen diese Willkommenskultur nicht“

Doch nicht alle Bewohner und Verbände der Region teilen solch eine Begeisterung für das Raubtier. Die Jäger, Landwirte und privaten Tierhalter sehen die mögliche Rückkehr des Wolfs vielmehr problematisch. „Wir teilen diese Willkommenskultur nicht“, sagt Bauernpräsident Michael Horper aus Üttfeld in der Eifel. „Wir betrachten das vielmehr mit großer Sorge. Der Wolf ist der natürliche Feind von Mutterkuh-, Schaf- und Ziegenhhaltern.“ Obwohl das Land Entschädigungen für gerissene Tiere zahlen und den Bauern auch beim Zaunbau finanziell unter die Arme greifen will, sagt Horper: „Wenn Wölfe in ein Gatter einbrechen, erlegen sie nicht nur einzelne Tiere. Sie jagen die Herde, schädigen die Herdenstruktur und was passiert, wenn Tiere ausbrechen und es auf öffentlichen Straßen zu Verkehrsunfällen kommt?“

Auf die Rückkehr des Raubtieres sei das Land trotz eines Wolfmanagementplanes noch nicht wirklich vorbereitet, sagt der Bauernpräsident.

Zuerst dürfte allerdings eine andere Zunft mit den Tieren Bekanntschaft machen: die Jäger. „Wir werden aber keinen Wolf erschießen. Die Tiere stehen streng unter Naturschutz“, sagt Heinz Schulten, Vorsitzender der Kreisgruppe Trier-Saarburg im Landesjagdverband. „Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde: ‚Ich freue mich himmelhoch jauchzend über die Rückkehr des Wolfes.‘“ Denn nach Schultens Meinung ist in der von unzähligen Straßen durchzogenen Kulturlandschaft in der Eifel, dem Hunsrück und Hochwald sowie an der Mosel und Saar kein Platz für solch ein Raubtier. „Ich sehe das kritisch. Neben Rehen, Wildschweinen und Muffelwild gehören auch Fohlen, Kälber, Ziegen, Schafe, Hühner sowie Hunde und Katzen zu seinen Lieblingsspeisen.“ Zwei bis drei Wolfsrudel würden in der Region keinen großen Schaden anrichten, meint Schulten. „Aber man darf keine Überpopulation zulassen. Unsere Region ist für den Wolf eigentlich nicht geeignet.“

Christian Moeris

Info

Wer Wölfe sehen möchte, muss nicht warten, bis wilde Tiere zurück in die Region kommen, sondern kann auch eines der Wolfsgehege besuchen.

Wolfspark Werner Freund, Merzig: Der Tierforscher Werner Freund (1933–2014) hat 1977 den Wolfspark in Merzig gegründet und lebte mehr als 30 Jahre lang mit den Tieren zusammen. Der Wolfspark ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet und von der A 8 über die Ausfahrt Merzig-Schwemlingen erreichbar. Die Besichtigung ist kostenlos.

Wildfreigehege Wildenburg, Kempfeld: Wer europäische Grauwölfe beobachten möchte, kann sie in der Wolfsblut-Wolfslandschaft im Wildfreigehege Wildenburg besuchen. Dort leben vier Grauwölfe in einem mehr als einen Hektar großen Gehege. Täglich um 16 Uhr findet eine kommentierte Fütterung statt. Einlass ist täglich von 9 bis 17 Uhr, Erwachsene zahlen 6 Euro Eintritt, Kinder 4 Euro.

Adler- und Wolfspark Kasselburg, Pelm: In einem zehn Hektar großen Gelände an der Kasselburg in der Eifel ist das nach Angaben der Betreiber größte Wolfsrudel Westeuropas untergebracht. Geöffnet ist der Adler- und Wolfspark bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr. Wolfsfütterungen sind dienstags bis sonntags um 11.45 und 15.45 Uhr, montags um 15 Uhr. Eintritt: 7 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder ab vier Jahren. Neben Wölfen beherbergt der Park Adler, Falken, Nachtgreifvögel, Wildschweine, Schafe und Ziegen.

Eifelpark Gondorf: Im Freizeitpark lebt ein Wolfsrudel mit vier Tieren in einem 7900 Quadratmeter großen Freigehege. Vom Aussichtsturm aus lassen sich die Tiere beobachten, zum Beispiel bei der Fütterung täglich um 14 Uhr. Geöffnet ist der Park bis 15. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr. Eintrittspreise richten sich nach Körpergröße, ab 1 Meter: 16,50 Euro, ab 1,20 Meter: 18,50 Euro, ab 1,50 Meter: 21,50 Euro. red