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So ein Theater – „Under your Skin“

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Erzählung, Schauspiel und Tanz: Céline Horn (liegend) und Alister Noblet schlüpfen in die Rolle von Fares Khalaf. Foto: Mechthild Schneiders

Trier. Familien, die all ihr Hab und Gut bei sich tragen, Dutzende Menschen in einem Boot, Hunderte, die über die Grenze strömen, Tausende in den Asyl-Aufnahmeeinrichtungen, Hunderttausende, die in den vergangenen Jahren in Deutschland Unterschlupf gesucht haben. Massen, schier überwältigend viele Menschen.

Und dann sind da diese sechs jungen Männer, drei Afghanen und drei Syrer. Ali, der in seiner Heimat seinen Namen nicht tragen, seine Sprache nicht sprechen, seine Kultur nicht leben darf, der bis 2011 staatenlos ist – weil er Kurde ist. Sein Studium in Aleppo muss Ali 2012 wegen des Bürgerkriegs abbrechen. 2013 flieht er in den Irak, 2015 weiter nach Deutschland.

Die Taliban, dargestellt von Schauspielern der Gruppe Kreuz & Quer, bedrängen und bedrohen Hadi Fazly (Mitte). Foto: Mechthild Schneiders

Oder Hadi Fazly, der nach seinem Jurastudium in seiner Heimat Afghanistan einen guten Job als Vermittler und Dolmetscher beim Militär hat. Bis die Taliban ihn für sich gewinnen wollen. Fazly erzählt von Drohungen der Terroristen, die ihn in die Illegalität treiben – und in die Flucht.

Ayumi Noblet interpretiert Javid Rasoolis seelische Qualen tänzerisch. Foto: Mechthild Schneiders

Oder Javid Rasooli. Ein Junge aus wohlhabender Familie, die im Luxus lebt. Bis die Taliban Javids Bruder entführen und die Familie bedrohen. Rasooli flüchtet, landet in türkischer Abschiebehaft, versucht zu fliehen, wird angeschossen, überlebt nur knapp. Da ist er gerade 14 Jahre alt. Er flüchtet erneut – und kommt durch. Um beinahe in einem Boot unterzugehen.

Regisseur Ali Sheikhmous (rechts) gibt Fares Khalaf Anweisung, wo er sein Notizbuch liegen lassen soll. Foto: Mechthild Schneiders

Die sechs jungen Geflüchteten kommen im Tanztheaterstück „Under your Skin“ des Vereins TanzKulTouR in der Tuchfabrik Trier selbst zu Wort – in ihrer Muttersprache. Und sind dennoch verständlich. Ihre Angst, ihr Mut, die Ungewissheit kommen im Tonfall, in Mimik, in Gestik rüber. Sechs Geschichten, jede anders, jede wahr, jede individuell. Individuell wie die Präsentation der sechs Tänzer der Noblet Dance Company und der vier Schauspieler der Theatergruppe Kreuz & Quer, die das Erlebte unter der Regie von Ali Sheikhmous szenisch umsetzen.

Mechthild Schneiders 

Termine: 3., 4., 12. März, 19.30 Uhr; 12. April, 20 Uhr.

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