Start Bitburg Reingeschaut: Die wahren Krieger

Reingeschaut: Die wahren Krieger

157
0
TEILEN

„Ich hatte immer schon die Idee, dass die Bühne der einzige Platz ist, an dem es keinen Krieg geben kann. Denn da vorne passieren keine echten Morde. Es sind nur gespielte Morde“

Kabul, Afghanistan. 11. Dezember 2014. Das Theaterstück „Heartbeats – Die Stille nach der Explosion“, ein Stück über Selbstmordanschläge, feiert Premiere im französischen Kulturzentrum. 300 Menschen wollen es sehen. Mitten in einer ganz ruhigen Passage ein ohrenbetäubender Donner. Einige Zuschauer klatschen; viele glauben, die Explosion gehöre zum Stück.

Die ersten Schreie. In hinteren Bereich brennt es. Panik tritt auf. Drei Menschen sterben, 40 werden verletzt. Später stellt sich heraus: Ein 17-Jähriger hat sich in die Luft gesprengt.

In den Nachrichten war das Selbstmordattentat nur eine Meldung von vielen, eine, wie sie täglich zu lesen und zu sehen ist. Doch der Dokumentar film „True Warriors“ (zu Deutsch: Wahre Krieger) endet hier nicht, switcht nicht zur nächsten Nachricht. Er beginnt. Denn die Tat hat 350 Leben für immer verändert.

In ihrem ersten abendfüllenden Film lassen Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck Augenzeugen zu Wort kommen. In Interviews erzählen Schauspieler und Musiker, wie sie den Anschlag erlebt haben, wie er sie gelähmt, was er mit ihnen gemacht hat, wie sie mit dem Trauma umgehen.

Ganz nah sind die Gesichter, als würden sie einem gegenüber stehen und in die Augen schau en, mit einem persönlich sprechen. So machen sie ihre Erfahrungen zu denen der Zu schauer. Sie erzählen von Men schen, die taub geworden sind, die brennen. „Ich sagte mir, das ist das Ende, und du stirbst jetzt hier“, spricht einer der Akteure in die Kamera. Wenn Schau spieler Edris Fakhri ganz ruhig sagt: „Kebab. Es roch nach Kebab, verbranntes Kebab – verbranntes Men schen fleisch“, läuft einem ein Schauer über den Rücken.

„True Warrior“ ist ein Film über Angst, Verzweiflung, Aufgabe, schonungslos und realistisch. Er erzählt aber auch über die Kraft der Kunst, die Stärke der Freundschaft, die Entschlossenheit, das Land zu ändern. Einige der Schauspieler fliehen nach Europa, andere bleiben, kehren auf die Bühne zurück. Sie formieren sich neu, verlagern ihr Wirken auf die Straße, organisieren riskante Produktionen. Aber der Film macht auch Mut: „Wenn ich nicht weitermache“, sagt die preisgekrönte Filmschauspielerin Leena Alam, „wenn wir alle aufhören, dann gewinnen die anderen.“

Mechthild Schneiders

 

„True Warriors“ ist am Sonntag, 28. Januar, 17 Uhr, in der Reihe „Agenda Kino“ der Lokalen Agenda 21 Trier im Broadway-Kino, Paulinstraße 18 in Trier, zu sehen. Anschließend ist eine Diskussion mit Regisseur und Regisseurin. Karten: 7/6 Euro.