Start Allgemein Interview: Ralf Kramp vom KBV-Verlag erklärt, warum Bücher wichtig sind

Interview: Ralf Kramp vom KBV-Verlag erklärt, warum Bücher wichtig sind

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Das Thema Krimi bestimmt das Bild in der Stadtmitte von Hillesheim. Ralf Kramp an seinem Schreibtisch im Verlag. Der Krimiautor ist gleichzeitig Leiter des KBV-Verlags. Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Wie wichtig ist für Sie als Verlag der Welttag des Buches?

Ralf Kramp: Weltweite Erinnerungstage gibt es ja inflationär im Jahresablauf. Es gibt den Tag der Jogginghose, des Wannenbads und was weiß ich noch. Das sind natürlich Späßchen, die ein bisschen die feierlich-steife Erinnerungskultur persiflieren sollen. Beim Welttag des Buches aber handelt es sich um ein aktionsträchtiges Datum, an dem weltweit eines unserer ältesten Kulturgüter alljährlich erneut erkundet, ungewöhnlich beleuchtet und lebendig gehalten wird. Auch wir als Verlag profitieren von dieser Art der Pflege und des Wachhaltens. Sie rückt immer wieder das in den Fokus, mit dem wir uns tagein, tagaus beschäftigen: das Buch.

Wie wichtig sind für Sie die gedruckten Worte?

Kramp: Sie haben vor Menschengedenken die mündlich erzählten Worte abgelöst. Erlebtes, Erfahrenes und Erforschtes kann mit ihrer Hilfe nahezu reibungsfrei für die Nachwelt erhalten werden. Wo wären wir ohne diese Errungenschaft? Nicht, dass nicht auch das gedruckte Wort anfällig für Fehler wäre, aber wir befänden uns womöglich in einer Welt, die fortwährend über das bloße Hörensagen, über Unmengen von Fake News kommunizieren würde. „Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen“, behauptet Goethe. Und Recht hat er. Man kann es wieder und wieder lesen, überdenken, analysieren, vergleichen, der letztgültigen Wahrheit sehr, sehr nahe kommen.

Warum sollten wir alle Bücher lesen und nicht einfach Fernsehen schauen?

Kramp: Gegen fernsehen ist nichts zu sagen. Das Fernsehen löst andere Reize aus, es bedient größtenteils andere Bedürfnisse. Die Erzählweise ist eine andere, schnellere. Das Buch gewährt immer noch tiefere Einblicke. Der Bildsprache eines gut gemachten Films entsprechend, schafft der Autor Kunst mit Worten. Wer das mag, kann sich an Sprachgemälden erfreuen. Er kann sich inspirieren lassen von schön geschriebener Literatur. Ein Beispiel aus meinem Fach wäre „Sherlock“: Die BBC-Serie inspiriert zu Recht viele Zuschauer. Man ergibt sich dem Rausch der schnellen Bilderfolge und lässt sich durch ein spannendes Abenteuer treiben. In Conan Doyles Büchern jedoch kommt der Blick in den Kopf des Helden hinzu. Wir lesen seine Gedanken, und das ist ein unschätzbarer Mehrwert.

Denken Sie, dass in naher Zukunft das E-Book das gedruckte Buch ablösen wird?

Kramp: Wird es nicht. E-Books haben sich eine starke Position bei Datensammlern erarbeitet. Auch Bequemleser und Pragmatiker schätzen zu Recht die Funktionalität der Reader. Aber der Markt stagniert. Es gibt immer noch genügend traditionelle Leser, die die Haptik des klassischen Buchs schätzen und die Abwechslung zum Arbeitsbildschirm mögen. Und es wachsen jüngere Leser nach, die immer noch von klein auf mit dem Buch auf Tuchfühlung kommen. Gerade die Macher von Kinderbüchern leisten da Großartiges!

Sehen Sie Bücher in Zeiten, in denen keiner mehr Geduld hat, als überholt an?

Kramp: Mangelnde Geduld mag ein Zeichen unserer Zeit sein, aber sie wird auch als Übel erkannt und analysiert. Und zum Übel gehört auch immer das Auskurieren. Womit könnte man Ungeduld besser austreiben als mit dem Lesen von Büchern? Diese gedruckten Dinger funktionieren immer noch. Wer sich erst einmal darauf einlässt, wird es schätzen, sich in diese Inseln im hektischen Alltag zu begeben.

Wie sind die Trends derzeit bei den Büchern?

Kramp: Unser Thema ist der Krimi, im Speziellen der deutschsprachige. Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts hat sich hier eine breite Palette aufgefächert. Regional- und Frauenkrimis, Politthriller, Cosy-Krimis, schwärzeste Psychothriller und so weiter, mittlerweile gibt es alles. Und alles wird natürlich immer wieder von starken Strömungen durchzuckt. Musste in den 1960ern der Krimi sozialpolitische Relevanz transportieren, waren es zu Beginn unseres Jahrzehnts hingegen serienmordende Psychopathen. Der Regionalkrimi boomt immer noch. Kein weißer Fleck trübt mehr die deutsche Krimi-Landkarte. Nicht immer ist alles Qualität, was sich sehr rasch ausbreitet, aber auf die lange Distanz setzt sich dann doch die Qualität durch. Der komödiantische Krimi ist im Kommen. Ursprünglich war er hauptsächlich in Großbritannien zu finden, aber jetzt pflegen auch deutsche Autoren den berühmten schwarzen Humor. grau

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