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Hier kommen die Opfer zu Wort

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Deutsche Forschungsgemeinschaft/Oliver Güth

Trier. Es ist eine der besten Adressen Berlins, feinste Wohngegend. Hier, in der Tiergartenstraße 4 in Berlin, hat sich der Textilindustrielle Georg Liebermann (1844–1926) eine spätklassizistische Villa errichten lassen. Hier befinden sich auch zwei Kunstantiquariate. Doch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird das Gebäude „quasi beschlagnahmt“. Seit 1940 befindet sich hier die Planungs- und Verwaltungsbehörde für die „Euthanasie“-Morde.

In dieser Villa wurde die Ermordung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen geplant und organisiert. Sowohl die geheime Zentraldienststelle („Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege“) als auch das Mordprogramm selbst wurden unter dem Kürzel „T4“ nach dieser Adresse benannt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Villa 1944 bei alliierten Luftangriffen schwer beschädigt und in den 1950er Jahren abgerissen. Zum Gedenken an die Opfer wurde 1989 eine Gedenkplatte in den Boden eingelassen. Seit September 2014 ist die Villa Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde.

Die Inhalte der Gedenkstätte sind bundesweit zu sehen, in der Wanderausstellung „Die nationalsozialistischen Euthanasie-Morde“, die zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar im Rahmen einer Veranstaltungsreihe von Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF), Volkshochschule (VHS) Trier mit Unterstützung der evangelischen und katholischen Hochschulgemeinden (siehe Programm) auch nach Trier kommt.

Die Ausstellung zeigt in zehn Kapiteln die Vorgeschichte und die Praxis der Patientenmode sowie den Umgang mit den Verbrechen nach 1945. Sie beschreibt die besondere Bedeutung der Organisationszentrale in der Tiergartenstraße 4 und erläutert weitere Mordaktionen gegen psychisch kranke und geistig behinderte Männer, Frauen und Kinder in Deutschland und Europa ab 1939. Sie zeigt die Verbindungslinien der Euthanasie-Aktion zur Ermordung der europäischen Juden auf. Und sie beleuchtet das Verdrängen und Verschweigen der Morde nach 1945. Außerdem kommen auch die Opfer zu Wort. mehi/red

Programm

8. Januar, 19 Uhr: Ausstellungseröffnung „Tiergartenstraße 4“, Foyer in der Volkshochschule Trier, Domfreihof. Bis 9. Februar, Eintritt frei.

19. Januar, 19 Uhr: Vortrag „Kollektiver Wahn – Eugenik und Rassenhygiene in der Weimarer Republik“. Referent: Prof. Werner Brill, Katholische Hochschule für Sozialwesen in Berlin, VHS Trier, Raum 5.

23. Januar, 19 Uhr, Vortrag „Euthanasie in der Anstalt Andernach und die Erinnerung daran“, Referent: Günter Haffke, Vorsitzender des Historischen Vereins Andernach. VHS Trier.

27. Januar, 15 Uhr: Rundgang gegen das Vergessen: „NS-Täter/in von nebenan – eine Spurensuche in Trier“. Kostenlose Stadtführung zu Tätern des Nationalsozialismus aus Trier. Treffpunkt: Friedens- und Umweltzentrum, Pfützenstraße 1.

31. Januar, 19.30 Uhr, Agendakino „Nebel im August“, Nachgespräch mit Matthias Klein vom Projekt „NS-Rassenhygiene im Raum Trier“, Broadway Filmtheater Trier.

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