Start Bitburg Martin Luther: „Ein Sitz des Satans!“

Martin Luther: „Ein Sitz des Satans!“

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Trier. „Bescheißerey!“, schimpft Martin Luther. „Was hat hier der Teufel großen Jahrmarkt gehalten!“ Was den Reformator so erzürnt, ist die Ausstellung des Heiligen Rocks in Trier. Wobei: „Heilig“ findet Luther nichts an dem angeblich von Jesus stammenden Kleidungsstück. Wallfahrt und Reliquienverehrung, das ist für ihn „das verführliche, lügenhaftige, schändliche Narrenspiel des Teufels“. Und deswegen fordert er: „Lasset ihr aber den Rock einen Rock sein!“

Seine Schriften wurden verbrannt

Nein, Martin Luther (1483–1546) und Trier – das war keine Liebesbeziehung. Nachdem Kaiser Karl V. am 8. Mai 1521 auf dem Wormser Reichstag die Reichsacht über den „offenbarn hartneggickgen Ketzer“ verhängt hatte und dessen Schriften verbot zu „kaufen, verkaufen, lesen, behalten, abschreiben, drucken oder abschreiben oder drucken lassen“, da ließ der Trierer Offizial Johannes von der Ecken Luthers Schriften verbrennen. Im Gegenzug nannte Luther später den Trierer Bischofsstuhl einen „Sitz des Satans“ – in einer Reihe mit Mainz und Rom, wie der ehemalige Leiter des Trierer Stadtarchivs Gunther Franz im Tagungsband „Der Trierer Reichstag von 1512 in seinem historischen Kontext“ berichtet.

Seine berühmten 95 Thesen soll Martin Luther am 31. Oktober 1517 an die Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben. Auch wenn das nicht historisch zweifelsfrei belegt ist – das Datum gilt als Anfang der Reformation. Deshalb beginnt am Montag – genau ein Jahr vor dem 500. Jahrestag – das Reformationsjahr, an dessen Ende der Reformationstag am 31. Oktober 2017 als einmaliger bundesweiter Feiertag steht.

Luthers Kritik richtete sich vor allem gegen den Ablasshandel. Er wollte die Kirche reformieren – nicht spalten. Doch obwohl die katholische Kirche den Ablasshandel bereits 1562 verbot, besteht die Kirchenspaltung bis heute. Katholiken tun sich daher „sehr schwer, von einem Reformationsjubiläum zu sprechen“, wie der Trierer Bischof Stephan Ackermann in einem Brief an seine Dechanten und Pfarrer schreibt. Dennoch wird es eine ganze Reihe ökumenischer Veranstaltungen geben: einen Versöhnungsgottesdienst am 11. März in Berlin, ein Christusfest am Pfingstmontag auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz und viele weitere in den Gemeinden der Region. Daniel John

Extra: Wie Laurentius ein Dauner wurde

In der Eifel entwickelte sich Schleiden zu einem Zentrum der Reformation. Dietrich VI., von 1560 bis 1593 Graf von Manderscheid-Schleiden, bekannte sich zum lutherischen Glauben. Bereits sein Vater und sein Großvater, Dietrich IV. und V., hatten sich der neuen Konfession gegenüber zumindest tolerant gezeigt. Zum Herrschaftsbereich der Grafen gehrörten unter anderem auch Üxheim und Dockweiler. Aus der Kirche in Dockweiler, die dem heiligen Laurentius geweiht war, ließ Pfarrer Sixtus Hofmann die Laurentius-Statue entfernen, wie der Heimatforscher Alois Mayer in seiner Legendensammlung „Geister, Wölfe, Schutzpatrone“ erklärt. Laurentius fand Exil in Daun und wurde dort zum zweiten Stadtpatron neben St. Nikolaus. Deswegen feiert Daun bis heute die St.-Laurentius-Kirmes. Die Muttergottes mit der Lilie in Barweiler wiederum soll der Überlieferung zufolge aus der Üxheimer Kirche gerettet worden sein.

Extra: Aus der Hölle

Der Reformator Martin Luther wurde in der Eifel geradezu verteufelt – im wörtlichen Sinne. Matthias Zender (1907–1993)schildert in seinen „Sagen und Geschichten aus der Westeifel“ eine Erzählung aus Thommen, heute Teil der ostbelgischen Gemeinde Burg Reuland: Martin Luther sei dort in Begleitung zweier Teufel in der Kirche erschienen und habe erklärt, er sei in der Hölle, weil er den falschen Glauben gelehrt habe. Einige Evangelische seien daraufhin vom Glauben abgefallen.

Extra: Drei Kirchen

Die Erlöserkirchen in Adenau, Mirbach und Gerolstein sind geschichtlich eng verbunden: Ernst von Mirbach war Vorsitzender des Evangelischen Kirchenbauvereins, seine Familie stammte aus der Eifel. Daher ließ er in Mirbach den katholischen „Eifeldom“ (1902) bauen. Das gab Anlass, eine ebenso imposante evangelische Kirche zu errichten – in Gerolstein (1913). Architekt war jeweils Franz Schwechten. Von ihm stammt auch der Entwurf der Erlöserkirche in Adenau (1914).

Extra: Statistik

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm gibt es laut Gemeindestatistik 6345 evangelische Christen*, das entspricht einem Anteil von 6,8 Prozent an der Bevölkerung mit Hauptwohnsitz. 76 394 von 98 046 Einwohnern (77,9 Prozent) sind römisch-katholisch. Zu den 13,5 Prozent der als „ohne Angabe/gemeinschaftslos“ geführten Personen zählen auch Muslime und Angehörige anderer Religionen.

* ohne Freikirchen und andere christliche Religionsgemeinschaften. Stichtag: 30. September 2016. Quelle: rlpdirekt.de