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Edelbrände aus dem Hobbykeller

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Lieser. Die Destille dröhnt. Hin und wieder steigt Dampf aus einem der vielen Rohre der Maschine auf. Sie steht in Wolfgang Kuntz‘ Keller, mit all diesen Kesseln, Ventilen und silbrig-glänzenden Amaturen. Wer einen Blick durch eins der Bullaugen wirft, sieht den Trester kochen. Das, was nach dem Saftpressen von den Trauben übrig bleibt, Stiele, Stängel und Kerne, wird hier zu Schnaps gebrannt.

„Früher war das Abfall. Heute macht man Brand daraus“, erklärt der Lieserer. Was er hier macht ist also quasi Recycling.

Aber Trester ist nicht der einzige Brand, auf den sich der Mose aner versteht: Apfel, Birne, Quitte, Mirabelle, Himbeere, Pfirsich – aus all diesen Früchten hat Kuntz schon Obstler hergestellt. Und das mit Erfolg: Ständig gewinnt der Destillateur mit seinen Edelbränden Preise. Dabei ist Kuntz kein Profi, sondern Hobbybrenner. Hauptberuflich arbeitet er beim Baumaschinenhersteller Benninghoven. Wie er zum Brennen gekommen ist?

Die kleine Destille, auf der er seine Spirituosen brennt, hat er von seinem verstorbenen Schwiegervater geerbt. Das Handwerk hat er sich selbst beigebracht. Die ersten Versuche: „Fast ungenießbar“, sagt er: „Keine Ahnung wie ich es geschafft habe, das Zeug zu verkaufen.“

Inzwischen produziert er jährlich rund 1000 Flaschen Spirituosen. Die meisten Früchte, die er brennt, stammen aus eigenem Anbau. Er sei deshalb abhängig von der Witterung.

Vergangenes Jahr seien nicht mal alle Früchte reif geworden. Um die Weihnachtszeit habe er Äpfel gepflückt, „gerade süß genug zum Essen, zum Brennen aber nicht geeignet“. Der Grund: zu wenig Sonne, zu viel Regen. Nach dem Wetter richte sich nicht nur, wie viel er produziere, sondern auch, wie der Brand schmeckt, sagt Kuntz: „Ich muss mit dem arbeiten, was die Natur mir gibt.“

Die gibt ihm in seiner Heimat auf jeden Fall eine Menge Beeren: Holunderbeeren und Vogelbeeren zum Beispiel.

Die wachsen in den Brachflächen der Weinberge. Kuntz sammelt sie selbst. „Eine Heidenarbeit“, wie er sagt. Er brauche Hunderte Kilo für eine Hand voll Flaschen.

Schneller geht es bei seinem Apfelweinbrand. Den Viez, der später in die Destille kommt, macht er aus eigenen Äpfeln. Wie der schmeckt, wenn er da wieder rauskommt?

 

Der Test

Obstler, allein, das Wort weckt Erinnerungen an Opas Fusel: Gänsehaut am Nacken, Brennen im Hals. Ganz anders kommt Wolfgang Kuntz‘ Apfelweinbrand daher: fruchtig nämlich, aber nicht zu süß. Der Geschmack des Obstes legt sich auf die Zunge und ist auch Minuten später zu schmecken.

40 Prozent Alkohol hat der Weinbrand. Die machen sich aber im Mund kaum bemerkbar. 17 Euro pro Flasche sind im Anbetracht der Arbeit, die Kuntz investiert, geradezu spottbillig.

Christian Altmayer