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Die Gold-Marie aus Trier

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Christian Poss

Trier. Gegen Ende der Schulzeit stand Marie-Therese Poss-Christian vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte sie das Trierer Familienunternehmen Poss Orthopädie-Schuh-Technik eines Tages übernehmen? Oder lieber studieren? Nach dem Abitur entschied sie sich gegen die Uni, um Orthopädieschuhmacherin zu werden. Schon ihr Vater, Onkel, Großvater, Ur- und Ururgroßvater waren Schuhmacher, einige davon Orthopädieschuhmacher. Der Weg ins Handwerk erwies sich als der richtige. Denn zum Abschluss ihrer Lehrzeit im eigenen Familienbetrieb holte sie beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks als Jahrgangsbeste „Gold“. Die Urkunde hat sie am 26. Januar in der Handwerkskammer Trier entgegengenommen.

Mit der Herstellung orthopädischer Schuhe hilft die junge Frau Menschen, die wegen Fußbeschwerden Probleme mit dem Gehen haben. Das Schuhwerk gleicht Handicaps wie Missbildungen, Beinlängenunterschiede, Fehlbelastungen, Versteifungen oder Wachstumsstörungen aus. „Mit maßangefertigten Schuhen können die Betroffenen viel besser gehen, oft auch schmerzfrei. Das zu sehen, macht mich glücklich“, sagt die 24-Jährige.

Deutschlands beste Orthopädieschuhmachergesellin hat hohe Ansprüche an sich: „Ich will immer besser sein als die anderen“, gibt sie gerne zu. „Das treibt mich an.“ Auch ihr Vater Guido Poss und ihr Onkel Jürgen Poss waren als junge Gesellen beim Leistungswettbewerb erfolgreich – auf Landesebene. Sie ist stolz darauf, mit ihrem Bundessieg nun beide übertrumpft zu haben.

Verbessern will Marie-Therese Poss-Christian auch das Image von orthopädischen Schuhen. „Die müssen nicht immer klobig aussehen und rein zweckmäßig gestaltet sein. Es geht auch modisch“, sagt sie. Das hat sie auch mit ihrem Gesellenstück bewiesen, einem Paar knöchelhoher Stiefel in Schlangenoptik. Diese herausragende Arbeit machte sie zur ersten Bundessiegerin. „Jeder sollte schöne Schuhe tragen können“, findet die junge Gesellin. Auch privat schaue sie Leuten gerne auf die Schuhe. Sie habe aber keinen „Schuhtick“ und besitze auch nicht mehr Paar als andere Frauen. Ihre Traumschuhe: „Bequeme Highheels, auf denen ich die ganze Nacht durchtanzen kann!“

Die müsste das Nachwuchstalent aber erst noch herstellen. Für ihre Kunden fertigt sie durchaus hin und wieder etwas Ausgefallenes an, etwa Schuhe im sportlichen Look von „Chucks“. Solche Modelle sind besonders bei den Jüngeren beliebt. „Kaum jemand weiß, wie vielseitig dieser Beruf ist“, bedauert die Orthopädieschuhmacherin. „Schließlich hat jeder Kunde ein anderes Problem und andere Wünsche.“

Auch in Sachen moderner Technik sind Orthopädieschuhmacher auf dem Laufenden. Um seinen Kunden optimale Lösungen anbieten zu können, setzt ihr Vater im Betrieb zum Beispiel Videokameras, Laufband, digitale Druckmessung und CAD-Konstruktion ein.

Im nächsten Schritt macht die ehrgeizige junge Frau nun ihren Meister. Derzeit wohnt sie in Kaiserslautern. Ihr Mann arbeitet dort bei der US-Airforce. Zwischendurch wird die Gesellin ein halbes Jahr lang im elterlichen Betrieb arbeiten, um sich bei Guido Poss noch mehr Know-how abzuschauen. Eines Tages will sie dann ganz nach Trier zurückkommen, um ihr Ziel zu verwirklichen, den Familienbetrieb in der vierten Generation zu übernehmen.

Worauf sie sich noch freut? Auf einen stolzen Meilenstein der Firmengeschichte in sieben Jahren: das 100-jährige Betriebsjubiläum der Firma Orthopädie-Schuh-Technik. red

 

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