Start Bitburg Die Eifelregion ist gut gewappnet

Die Eifelregion ist gut gewappnet

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Bitburg. Wenn Schrägbalken und Sparren nichts mit Architektur zu tun haben, es um Löwen, Pferde, Adler und Greifen, aber nicht um Zoologie geht, und Dreiecke und Rauten zwar ein Thema, der Geometrieunterricht aber weit weg ist – dann geht es um Wappenkunde.

Die Heraldik, wie die Wappenkunde auch heißt, beschäftigt sich, wie der Name sagt, mit Wappen. Also mit Symbolen, die Orte, Adelshäuser, Familien oder Kirchenorden oft trugen und manchmal immer noch tragen.

Meistens erscheint das Wappen in der Form eines mittelalterlichen Ritterschilds. Das ist kein Zufall, denn die Tradition der Wappen kommt aus dem Mittelalter, genauer: aus der Zeit der Kreuzzüge. Mit dem Aufbruch nach Jerusalem musste nämlich ein System entwickelt werden, damit die kreuzfahrenden Ritter ihre eigenen Truppen von den anderen unterscheiden konnten.

Das Wappen hatte also eine ähnliche Funktion wie heute beispielsweise die Trikots von Fußballspielern – wenn auch in einem deutlich ernsteren Kontext. Auch bei den Ritterturnieren erwiesen sich die Wappen als praktisch: Durch die Ganzkörperrüstung und großen Helme konnte man ohne Wappen nämlich oft gar nicht mehr erkennen, wer gerade vor einem stand.

„Wappen sind auch heute noch wichtig“, sagt Thomas Müller, Pressesprecher des Landkreises Trier-Saarburg. „Wenn auf einem Schreiben oder auf einer Fahne ein Wappen prangt, dann weiß der Bürger, das ist offiziell.“ Ein Wappen zeige auch, wodurch das Gebiet geprägt worden sei und stelle außerdem einen Bezug zur Geschichte her.

Müller weiß auch, wie ein Wappen verliehen wird: Nachdem ein Dorfhistoriker oder anderer Experte einen ersten Entwurf erschaffen hat, entscheidet ein Gremium, ob das Wappen übernommen werden soll. Stimmt dieses dem Entwurf zu, muss das Wappen dann mitsamt Erklärung und Begründung dem Innenministerium vorgelegt werden.

Wenn alles seine Ordnung hat, kann das Ministerium das Wappen dann offiziell verleihen. „Das ist der Unterschied zu einem Logo. Das kann man sich nämlich einfach selbst verpassen. Ein Wappen nicht“, weiß Müller.

Ein weites Feld mit vielen Regeln

Die Heraldik ist ein Feld mit für Außenstehende überraschend eng definierten und vor allem zahlreichen Regeln: Die klassisch genutzten Farben und die häufig vorkommenden Elemente und Muster sind streng definiert und bezeichnet. Die genaue Beschreibung eines Wappens mit den passenden Begriffen heißt Blasonierung.

Das Wappen des Eifelkreises Bitburg-Prüm wurde 1973 eingeführt, nachdem die Landkreise Bitburg und Prüm 1970 zusammengeführt worden waren. Das rote Kreuz auf weißem Grund ist das Wappen des Kurfürstentums Trier. Der Burgturm ist das Zeichen der Stadt Bitburg. Das Lamm ist das Wappentier Prüms und wurde von der Abtei Prüm übernommen. Die blauen und silbernen Balken sind aus dem luxemburgischen Wappen übernommen. Der Grund: Teile der Region gehörten vor langer Zeit einmal zum Großfürstentum.

Die luxemburgischen Balken tauchen auch im Wappen der Verbandsgemeinde Arzfeld auf. Die Zinnen im oberen Teil stehen für die Dasburg mit dem noch heute stehenden Rundturm. Das goldene Feld mit dem roten Sparrenbalken ist das Wappen der Grafen von Manderscheid, das hier integriert wurde.

Die Eifel und ihr Kreisheraldiker

Christian Credner ist der Heraldiker des Eifelkreises. Der 75-jährige Kardiologe in Rente ist absoluter Heraldikexperte und kann viele Geschichten über die Wappen der Region erzählen. Kein Wunder: Er hat mehr als 30 Ortswappen für den Kreis selbst entworfen. „Die Farben sagen etwas zur territorialen Zugehörigkeit aus“, weiß Credner. Die ersten Wappen entwarf er noch alleine, später holte er sich Rat aus den jeweiligen Gemeinden. „Da kommen oft gute Vorschläge, manchmal muss man den Leuten aber auch erst einmal erklären, was Heraldik genau ist. Ich kann ja beispielsweise nicht einfach eine Farbe ins Wappen nehmen, weil sie gut gefällt. Da muss schon ein Zusammenhang da sein.“

 

Eigentlich koste die Gestaltung eines Wappens richtig viel Geld. „Da kommen vier- bis fünfstellige Beträge zusammen“, schätzt Credner. Er verlangt für jedes Wappen aber nicht mehr als 200 Euro, die für einen wohltätigen Zweck gespendet werden sollen. „Das erste Wappen habe ich für meinen Heimatort Lambertsberg (VG Arzfeld) entworfen. Und dann ging es eben so weiter.“ Inzwischen seien die meisten Orte mit Wappen versorgt, einige fehlten aber noch. „Ich will den Leuten kein Wappen aufschwatzen, deshalb gehe ich nicht aktiv auf die Orte zu. Aber es spricht sich eben rum“, sagt er. Die Suche nach dem richtigen Wappenmotiv sei oft eine Spurensuche im Ort. Und manchmal ist richtig viel Recherche und Kreativität gefragt: „Das Wappen von Krautscheid habe ich als sogenanntes redendes Wappen entworfen. Krautscheid hat nämlich nichts mit Kraut zu tun, sondern heißt ins heutige Deutsch übersetzt Krähenwald.“

 

Das Wappen des Landkreises Vulkaneifel setzt sich aus dem kurfürstlichen Kreuz, dem Zeichen der Stadt Daun (dem sogenannten „Dauner Gitter“) in der Mitte und einem schwarzen Löwen auf goldenem Grund, dem Wappen der Stadt Gerolstein, zusammen. Der schwarze Löwe des Gerolsteiner Wappens ist der Jülicher Löwe, das Wappentier des Herzogtums Jülich, zu dem die Stadt früher gehörte.

 

Ob Wappentiere, Werkzeuge, Gebäude, Berge oder Flüsse, Pflanzenteile oder Ortsheilige: Die Wappen deuten auf Besonderheiten des Ortes hin, stellen die Zugehörigkeit zu einer Region dar oder offenbaren Zusammenhänge. Das Wappen ist ein einzigartiges Erkennungszeichen, das den Charakter eines Ortes darstellen soll – ob Schrägbalken, Hermelin, Petrusfigur oder Löwe: Hauptsache, gut gewappnet!David Falkner