Start Mosel Die allererste Hilfe – First Responder erhöhen Überlebenschancen

Die allererste Hilfe – First Responder erhöhen Überlebenschancen

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Archiv/Helmut Gassen

Wittlich. Ein Unfall in einem Dorf mitten auf dem Land. Genug Menschen haben das Unglück beobachtet, ein Notruf ist schnell abgesetzt. Nun ist höchste Eile geboten: Setzt bei einem Verunglückten Kammerflimmern ein, ist davon auszugehen, dass seine Überlebenschance mit jeder Minute ohne Herz-Lungen-Wiederbelebung um zehn Prozent sinkt. Doch das nächste Krankenhaus ist gut zehn oder 20 Minuten entfernt. Was geschieht in der Zwischenzeit mit den Verletzten?

Für solche Fälle stehen die sogenannten First Responder bereit – früher auch bekannt als Helfer vor Ort. Gerade in ländlichen Gegenden braucht der Rettungsdienst häufig zu lange, um Notfallpatienten zu erreichen. Gleichzeitig gibt es in diesen Gegenden so selten Notfälle, dass der Aufwand für eine zusätzliche Rettungswache kaum zu rechtfertigen ist.

Freiwillige Helfer sind als erste vor Ort

In den Gemeinden des Landkreises Bernkastel-Wittlich werden First Responder als zusätzliches Glied in der Rettungskette eingesetzt: Sie sollen schnell Erste Hilfe leisten und so die Überlebenschancen erhöhen. In lebensbedrohlichen Notfällen alarmiert die Leitstelle in Trier zusätzlich zum regulären Rettungsdienst First Responder, die zum Beispiel in derselben Gemeinde wie die Verunglückten leben. Sie machen sich augenblicklich in ihrem privaten Auto, ausgestattet mit Einsatzjacke und Notfallkoffer, auf den Weg, um die lebenswichtigen Minuten bis zum Eintreffen des Notarztes zu überbrücken.

Im Landkreis Bernkastel-Wittlich sind First Responder des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im gesamten Kreisgebiet sowie Helfer der Malteser in den Verbandsgemeinden Wittlich-Land und Traben-Trarbach tätig. Insgesamt bis zu 96 First Responder – davon 35 bei den Maltesern und 61 beim DRK – werden zu jeweils zehn bis 130 Einsätzen im Jahr gerufen. Spitzenreiter sind die Gruppen aus dem Salmtal und Piesport, dicht gefolgt vom DRK-Ortsverein Wittlich, der für die Stadt und 60 Prozent der VG Wittlich-Land zuständig ist, mit 113 Einsätzen im laufenden Jahr, um lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen, blutstillende Maßnahmen vorzunehmen oder Ähnliches.

„Die meisten Einsätze sind internistische Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Eric Schlöder, ehrenamtlicher Kreisbereitschaftsleiter und First Responder in Niersbach.

„Außerdem betreuen die First Responder auch die Angehörigen“, erzählt Mark Hummel, ehrenamtlicher Einsatzdienst-Leiter der Malteser Trier-Saarburg. „Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt, dass dies oft eine ebenso wichtige Aufgabe ist wie die Notfallversorgung der Betroffenen.“

Freiwillige sind gut ausgebildet

Alle First Responder im Kreis Trier-Saarburg haben laut Hummel eine Ausbildung als Rettungssanitäter oder sogar Rettungsassistent absolviert. „Wir legen Wert darauf, dass die Rettungshelfer mindestens über die im Rettungsdienstgesetz festgelegten Qualifikationen verfügen“, erklärt er. Das bedeutet, dass jeder First Responder der Malteser 160 Stunden Theorie, 100 Stunden Rettungswachen-Praktika und 80 Stunden Krankenhaus-Praktika abgelegt hat.

Nicht nur im Landkreis Bernkastel-Wittlich, auch in Trier-Saarburg werden die First Responder gemeinsam von Malteser-Hilfswerk und DRK gestellt, in Bitburg-Prüm und der Vulkaneifel vorwiegend vom DRK. „Früher haben die beiden Organisationen jeweils ihr eigenes Süppchen gekocht“, erzählt Hummel. Doch es gibt seit einigen Jahren ein Umdenken: Nun unterstützen die Verbandsgemeinden die First Responder bei der Materialbeschaffung, und Helfer beider Organisationen tragen einheitliche Einsatzjacken mit dem Wappen der jeweiligen Gemeinden – eine Entwicklung, die Hummel sehr freut: „Die klare Aussage ‚Das sind die First Responder der Verbandsgemeinde‘ schafft Vertrauen und Wertschätzung bei den Bürgern.“

Die ehrenamtlichen Helfer in ihren privaten Autos genießen, anders als Notärzte im Krankenwagen, keine Sonderrechte auf dem Weg zum Einsatzort. Sie kommen im Idealfall nur drei bis vier Minuten nach dem Notruf an, müssen sich unterwegs aber an Geschwindigkeitsbeschränkungen und andere Regeln der Straßenverkehrsordnung halten und dürfen weder Blaulicht noch Martinshorn verwenden. „Die Helfer müssen unter Beachtung aller Regeln so schnell wie möglich zum Einsatzort“, erklärt Hummel. „Das kann gefährlich werden. Sollte es dabei mal zu einem Verkehrsunfall kommen, stehen die First Responder unter dem Schutz der jeweiligen VG, die sie berufen hat.“

Doch so viele Vorteile die Zusammenarbeit mit den Verbandsgemeinden auch hat: Auf der anderen Seite, gibt Hummel zu bedenken, entstehe so das Missverständnis, dass auch die Kosten vollständig von der VG übernommen würden. Das ist jedoch nicht der Fall: „Die Kosten für Ausbildung, Rucksäcke, Sauerstoff, Fahrzeuge und so weiter tragen zu einem großen Teil die Hilfsorganisationen oder sogar die Helfer selbst“, erklärt Hummel. „Denn die First Responder üben diese Tätigkeit als Hobby und aus Überzeugung aus.“

Adrian Froschauer, Mechthild Schneiders

 

Extra

Die First Responder sind kein Teil des Rettungsdiensts, sie sind auf Spenden angewiesen. Weitere Informationen: www.malteser-wittlich.de und www.kv-bks-wil.drk.de ian