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Da kriegt nicht nur der Müller Lust

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Wissen vermitteln, Interesse wecken, andere Sichtweisen bieten: Kultur- und Weinbotschafter Hans Peter Kuhn (links) führt in römischer Montur die Wanderer durch die Bernkastel-Kueser Weinberge. Foto: IG Kultur- und Weinbotschafter Mosel

Bernkastel-Kues/Wittlich. Es gibt wohl wenige gemütlichere Methoden, die Schönheit der Region zu erkunden und zu bestaunen, als sie auf Schusters Rappen zu bewandern. Zwar hat die spontane, einfache Wanderung von einem Ziel zum nächsten durchaus seinen Reiz, der Trend allerdings geht hin zur Wanderung mit dem gewissen Etwas – als Sahnehäubchen oben drauf: geführte oder thematisch beschilderte Wanderungen, auf denen über ein bestimmtes Thema wie Historie, Pflanzen- oder Tierwelt, bekannte Persönlichkeiten oder natürlich den Wein informiert wird – „Storytelling“ (englisch, zu deutsch: Geschichten erzählen) ist das Stichwort. Die Woch gibt einen Überblick über besondere Wanderangebote in der Region – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Auf der Spur großer Literaten in Bernkastel-Kues

In Bernkastel-Kues ist der Wein ein großes Thema, Weinbotschafter führen Interessierte durch die Stadt und Weinberge und vermitteln Wissenswertes rund um das edle Getränk – Weinprobe inklusive. Dazu gibt es auch beschilderte Themenwege wie den Wanderweg „Der Natur auf der Spur“ in Lösnich, der Walderlebnispfad Lieser oder der Deutschherrenweg in Zeltingen-Rachtig.

Ein Schmankerl nicht nur für Leseratten sind die Literarischen Wanderungen der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte. Diese unregelmäßigen, geführten Wanderungen verbinden das Wandern und die Literatur. Während der Tour wird aus thematisch passenden Werken vorgelesen. Zu den Touren zählen die Cusanusweinanlagen-Wanderung zwischen Bernkastel und Wehlen, bei dem Passagen aus dem Werk von Nikolaus von Kues gelesen werden, die Mühlenwanderung in Longkamp, bei der es unterwegs Geschichten zu Müllern und Müllerinnen gibt, und die Napoleonwanderung in und um Kesten, bei der es um den berühmten französischen Feldherrn geht. „Der Begriff Storytelling passt bei diesen Wanderungen wie die Faust aufs Auge“, sagt Claus Conrad, Pressesprecher beim Ferienland Bernkastel-Kues. Er sieht im Wandel der Wandergewohnheiten auch einen Trend: „Die Ansprüche der Menschen werden größer.“

Seitensprünge mit jeweils eigenen Themen

„Wandern ist im Trend“, sagt Christiane Heinen, Pressereferentin der Moselland Touristik GmbH. „Die Besucher finden Storytelling toll, es gibt ein Bedürfnis nach authentischen Angeboten.“ Als Beispiel nennt sie die Wanderstrecken der Seitensprünge, an den großen Moselsteig angebundene Wege, für die im Herbst eine neue Broschüre erscheint. Ob Saar-Riesling-Steig, Zitronenkrämerkreuz oder Klüsserather Sagenweg: „Unsere Seitensprünge haben alle ein eigenes Thema und einen eigenen, knackigen Namen. Das kommt gut an bei den Gästen.“

Stefanie Koch, Geschäftsführerin der Saar-Obermosel-Touristik in Konz, sieht vor allem die neuen Medien als Chance, unausgetretene Wege in der Wanderbranche zu gehen: „Internet und Smartphone eröffnen interessante Möglichkeiten.“ Bereits jetzt lassen sich GPS-Daten der Wanderwege aus dem Internet herunterladen. Auf der digitalen Karte werden auch aktuelle Übernachtungsmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten markiert. In Zukunft, erzählt Koch, soll das Storytelling-Konzept mit den GPS-Daten verknüpft werden. Noch sei das Projekt aber in einer Planungsphase, konkrete Informationen gebe es noch nicht.

Wer auf der Suche nach geführten Wandertouren mit bestimmten Themen ist, wird zudem bei den Kultur- und Weinbotschaftern fündig: Die meistens freiberuflich tätigen Wanderführer, die in der Interessengemeinschaft der Kultur- und Weinbotschafter organisiert sind, bieten an der ganzen Mosel entlang Wanderungen zu verschiedensten Themen an – auf Anfrage oder zu festen Terminen. „Vorstandsmitglied Christiane Beyer bietet seit drei Jahren historische Wanderungen in Saarburg an – in der Rolle einer englischen Weinhändlerin aus dem Jahr 1910.

„So eine thematische Tour gibt eine andere Sichtweise auf die Region und lässt die Situationen anders erleben – durch Kleidung und Sprache versetzt man die Teilnehmer in die andere Zeit, da nehmen die Menschen einfach mehr mit, als wenn trocken irgendwelches Fachwissen vermittelt wird“, sagt sie.

In der Stadt Trier gibt es zahlreiche Angebote für Lauffreudige. „Unsere Idee ist es, Trier als eine Art Basislager zu etablieren, von dem aus man sternförmig in die Region wandern kann“, sagt Paula Kolz von der Trier Tourismus und Marketing GmbH. Zweimal im Jahr, in den sogenannten „Aktiv-Wochen“, starten von Trier aus geführte Wanderungen über Eifelsteig, Moselsteig und Saar-Hunsrück-Steig. Die nächsten Aktiv-Wochen dauern vom 19. bis 23. September. Außerdem gibt es auf der sogenannten Erlebnisroute auch die Möglichkeit, Trier über einen beschilderten Wanderweg mitten durch die Stadt zu erkunden. Die Erlebnisroute führt an allen Unesco-Weltkulturerbestätten der Stadt vorbei – vor Ort werden die Wanderer auf Schildern jeweils über die Sehenswürdigkeiten informiert.

Mit den Rangern unterwegs im Nationalpark

Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald gibt es Ranger-Touren und geführte Wanderungen mit Nationalparkführern. Bei den Ranger-Touren begleiten die Wanderer den Ranger auf einer Tour durch den Park – kostenlos und ohne Anmeldung. „Diese Ranger-Touren gibt es schon seit dem Anfang des Nationalparks“, erzählt Pressesprecher Guido Lotz. Lotz schätzt die Ranger-Touren wegen ihrer Spontanität: „Man schaut durchs Fenster raus, und wenn man Lust hat und das Wetter stimmt, kann man ohne Anmeldung spontan bei einer Ranger-Tour mitmachen. Das ist superpraktisch.“

Er weist zudem auf das barrierefreie Angebot im Nationalpark hin: Es gibt Strecken, die auch Menschen im Rollstuhl oder mit Rollatoren erwandern. Außerdem gibt es Ranger-Touren in Gebärdensprache und Wanderführer in Blindenschrift.

Zudem gibt es im ationalpark auch geführte Wanderungen zu bestimmten Themen, sogenannte Erlebnistouren. Das können Exkursionen zu den Mooren sein, Touren zu Waldpflanzen und –kräutern oder zu bestimmten Tieren wie Fledermäusen oder Insekten. „Diese Touren werden von Nationalparkführern geleitet, das sind Experten auf ihren eigenen Spezialthemen.“ Laut Guido Lotz werden die Wanderungen gut angenommen: „Besonders gut laufen die Touren im Herbst, beispielsweise zur Brunft der Hirsche.“

Seit April und noch bis in den Oktober hinein gibt es im Hunsrück außerdem Veranstaltungen zum zehnjährigen Bestehen des Saar-Hunsrück-Steigs. Die heute rund 410 Kilometer lange Strecke von Perl an der Mosel über den Hunsrück bis nach Boppard (Rhein-Hunsrück-Kreis) wurde 2007 eröffnet. „Es gibt verschiedene geführte Wanderungen, die vor Ort von den Touristinformationen organisiert werden – sei es in Kell am See, Thalfang, in Morbach oder Hermeskeil“, sagt Iris Müller, zuständig für Presse, Internet, neue Medien, Projekte und Produkte bei der Hunsrück-Touristik GmbH.

Die vier Elemente in der Vulkaneifel

In der Vulkaneifel wurde um das Wandern mit Storytelling ein gesamtes Konzept herumentwickelt. „Kampf der Elemente“ nennt sich die Metastory (englisch, zu deutsch etwa: verknüpfende Geschichte). Jedes der vier Elemente steht für einen Teil der Eifel: Das Feuer symbolisiert die Vulkaneifel, das Wasser den belgischen Teil. Die Erde steht für die Südeifel, die Luft für die Nordeifel. „Jeder der Wege, die Teil des Storytelling-Konzepts sind, hat nochmals ein eigenes Thema“, erklärt Pressereferentin Uschi Regh von der Eifel Tourismus GmbH. „Der neuste Storytelling-Pfad ist der Maare- und Thermenpfad“, sagt Kathrin Bayerschen, Pressesprecherin bei Gesundland Vulkaneifel. Der Pfad führt von Ulmen nach Bad Bertrich und erzählt unter dem Motto „Auf dem Kerbholz“ Geschichten von Räubern und anderen wilden Gesellen. Beschilderte Themen-Wanderwege gibt es unter anderem auch in Ulmen (Bienenlehrpfad) oder in Manderscheid entlang der Kleinen Kyll (Achtsamkeitspfad).

Wanderungen mit in Seminaren ausgebildeten Gästeführern laufen in der Vulkaneifel unter dem Stichwort „Natur aktiv erleben“ – dazu gehören beispielsweise eine Tour zur mittelalterlichen Geschichte von Manderscheid oder ein Spaziergang, auf dem die Wanderer sich mit der heimischen Kräuterwelt vertraut machen. „Das begleitete Wandern kommt immer mehr“, sagt Bayerschen. „Die Menschen wollen die Wanderung eingebettet haben, mit Geschichten verknüpft – der Genuss steht im Vordergrund.“

David Falkner

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