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Bernkastel-Wittlich ist gut gewappnet

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Klaus Kimmling

Bernkastel-Wittlich. Wenn Schrägbalken und Sparren nichts mit Architektur zu tun haben, es um Löwen, Pferde, Adler und Greifen, aber nicht um Zoologie geht, und Dreiecke und Rauten zwar ein Thema, der Geome-trieunterricht aber weit weg ist – dann geht es um Wappenkunde. Die Heraldik, wie die Wappenkunde auch heißt, beschäftigt sich, wie der Name sagt, mit Wappen. Also mit Symbolen, die Orte, Adelshäuser, Familien oder Kirchenorden oft trugen und manchmal immer noch tragen.

Meistens erscheint das Wappen in der Form eines mittelalterlichen Ritterschilds. Das ist kein Zufall, denn die Tradition der Wappen kommt aus dem Mittelalter, genauer: aus der Zeit der Kreuzzüge. Mit dem Aufbruch nach Jerusalem musste nämlich ein System entwickelt werden, damit die kreuzfahrenden Ritter ihre eigenen Truppen von den anderen unterscheiden konnten.

Das Wappen hatte also eine ähnliche Funktion wie heute beispielsweise die Trikots von Fußballspielern – wenn auch in einem deutlich ernsteren Kontext. Auch bei den Ritterturnieren erwiesen sich die Wappen als praktisch: Durch die Ganzkörperrüstungen und großen Helme konnte man ohne Wappen nämlich oft gar nicht mehr erkennen, wer gerade vor einem stand.

„Wappen sind auch heute noch wichtig“, sagt Thomas Müller, Pressesprecher des Landkreises Trier-Saarburg. „Wenn auf einem Schreiben oder auf einer Fahne ein Wappen prangt, dann weiß der Bürger, das ist offiziell.“ Ein Wappen zeige auch, wodurch das Gebiet geprägt worden sei und stelle außerdem einen Bezug zur Geschichte her. Müller weiß auch, wie ein Wappen verliehen wird: Nachdem ein Dorfhistoriker oder anderer Experte einen ersten Entwurf erschaffen hat, entscheidet ein Gremium, ob das Wappen übernommen werden soll. Stimmt dieses dem Entwurf zu, muss das Wappen dann mitsamt Erklärung und Begründung dem Innenministerium vorgelegt werden.

Wenn alles seine Ordnung hat, kann das Ministerium das Wappen dann offiziell verleihen. „Das ist der Unterschied zu einem Logo. Das kann man sich nämlich einfach selbst verpassen. Ein Wappen nicht“, weiß Müller.

Ein weites Feld mit vielen Regeln

Die Heraldik ist ein Feld mit für Außenstehende überraschend eng definierten und vor allem zahlreichen Regeln: Die klassisch genutzten Farben und die häufig vorkommenden Elemente und Muster sind streng definiert und bezeichnet. Die genaue Beschreibung eines Wappens mit den passenden Begriffen heißt Blasonierung.

Der seit 1970 existierende Landkreis Bernkastel-Wittlich führt sein Wappen seit dem Jahr 1971. Das rote Kreuz im oberen Teil des Wappens steht für das Kurfürstentum Trier. Es taucht in allen Verbandsgemeindewappen in der Region auf. Die beiden Schlüssel sind das Wappen der Stadt Wittlich und stehen für den Heiligen Petrus. Der Krebs ist das Symbol von Kardinal Nikolaus von Kues (1401-1464), der eigentlich Cryfftz hieß, was Krebs heißt. Das silbern-rote Schachbrettmuster unten steht für die Grafschaft Sponheim, in dessen Herrschaftsgebiet im Mittelalter unter anderem die Stadt Traben-Trarbach lag. Das Muster taucht in zahlreichen Wappen der Region auf, am prominentesten wahrscheinlich im Wappen des kleinen Örtchens Starkenburg.

Viel los ist auf dem Wappen der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. Das rot-weiße Schachmuster ist das gleiche wie beim Wappen des Kreises und steht genauso für die Grafschaft Sponheim. Das silbern-blau karierte Feld verweist auf die Kurpfalz.

Der untere Teil, der schwarze, zweiköpfige Adler auf goldenem Grund, ist an das Wappen des Kröver Reichs angelehnt. Das Königsgut der Karolinger bestand vom frühen Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Der doppelköpfige Adler taucht auf verschiedenen Ortswappen in der Region auf, beispielsweise auf den Wappen von Kröv, Reil oder Kinderbeuern

Egal wie unterschiedlich die zahlreichen Wappen der Region sind, einige Elemente kommen immer wieder vor: „Bei uns in der Region tauchen vor allem Rebzweige häufig auf“, sagt der Pressesprecher des Landkreises Trier-Saarburg, Thomas Müller. „Die stehen natürlich für den Weinbau. Aber auch Farben haben manchmal eine ganz bestimmte Bedeutung – Gold beispielsweise kann für Reichtum stehen.“

Ob Wappentiere, Werkzeuge, Gebäude, Berge oder Flüsse, Pflanzenteile oder Ortsheilige: Die Wappen deuten auf Besonderheiten des Ortes hin, stellen die Zugehörigkeit zu einer Region dar oder offenbaren Zusammenhänge.

Das Wappen ist ein einzigartiges Erkennungszeichen, das den Charakter eines Ortes darstellen soll – ob Schrägbalken, Hermelin, Petrusfigur oder Löwe: Hauptsache, gut gewappnet!

David Falkner