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Auf den Esel gekommen

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Lisa Bergmann

Auf 10 000 Einwohner kommen in Rheinland-Pfalz 91 Vereine. Die Themen, denen sie sich verschrieben haben, sind vielfältig und liegen oft jenseits von Blasmusik und Fußball. Auch in Mannebach gibt es einen ganz besonderen Verein.

Mannebach. Gelassen stehen Gandalf und Bilbo auf der Weide, Besucher interessieren die beiden recht wenig. Viel interessanter ist da schon das Gras, das es aus dem Boden zu rupfen gilt. Seit acht Jahren leben die beiden Esel-Herren auf dem Grundstück von Armin Schneider in Mannebach. Und seit sieben Jahren sind sie quasi der Mittelpunkt eines ganzen Vereins. „So konnten wir uns einfach besser organisieren“, sagt Armin Schneider, eines der vier Gründungsmitglieder des Vereins. Schneider hatte die Esel gemeinsam mit drei Freunden gekauft.

Eigentlich hätten die beiden zum Schlachter gebracht werden sollen, ein Tierschützer rettete die zwei und verkaufte sie weiter – an Schneider und seine Freunde. Die hatten damals schon das Ziel, Eselwanderungen anzubieten. Das Konzept kannten sie aus einem Urlaub in den französischen Vogesen. Besucher können die Tiere für kurze oder längere Touren ausleihen. Die pelzigen Begleiter tragen das Gepäck. Zum Reiten sind sie dagegen nicht geeignet.

Doch zwei Esel zu halten, das bedeutet auch Arbeit. Pflege, Futter – dazu die Besuche des Tierarztes. Um all das muss sich jemand kümmern. Und vor allem muss es jemand bezahlen. Deshalb kam Schneider auf die Idee, den Verein Packeselwanderung Mannebach zu gründen. Und er ließ ihn beim Finanzamt als gemeinnützig eintragen. Acht aktive Mitglieder gibt es, ansonsten vergibt der Verein Fördermitgliedschaften. „Das heißt, die Leute unterstützen uns mit ihrem monatlichen Beitrag, haben aber ansonsten keine Verpflichtungen“, erklärt Schneider. Derzeit sind fünf Fördermitglieder dabei. Die Pflege der Esel ist noch immer in der Hand der Gründungsmitglieder. Auch Schneiders Schwiegervater hilft regelmäßig tatkräftig mit.

Die Einnahmen aus Mitgliedschaftsbeiträgen und Eselverleih gehen direkt in die Pflege der Tiere. Gerade erst hat Schneider ein Nachbargrundstück gekauft. Darauf soll ein winterfester Unterstand für Gandalf und Bilbo entstehen. Bislang überwintern die Esel bei einem Bauern im Ort. 20 000 Euro soll die neue Behausung kosten. 6000 Euro kommen aus dem sogenannten Leader-Topf dazu, einer Initiative der europäischen Union zur Förderung des ländlichen Raumes. Es sei schon einiges an Papierkram gewesen, sagt Schneider, ebenso wie bei der Vereinsgründung. Aber der bürokratische Aufwand lohne sich für die Tiere. Deren Wohl stehe bei der Vereinsarbeit generell im Mittelpunkt. Wanderungen mit den Tieren werden nicht um jeden Preis angeboten. „Wir hatten schon den Fall, dass einer der beiden humpelnd von der Tour zurückkam. Dann mussten die nächsten Termine eben ausfallen“, sagt Schneider. „Durch die Organisation als Verein, besonders durch die Fördermitgliedschaften, haben wir keinen finanziellen Druck.“

Motivation zur körperlichen Ertüchtigung

Es gehe bei den Wanderungen aber auch gar nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Die Wanderungen mit Packesel sollen auch ein bisschen Werbung für die Region Saarburg machen. Es scheint zu funktionieren, mittlerweile reisen selbst aus Österreich Menschen der Tiere wegen an. „Genauso wichtig ist uns aber auch, dass Gandalf und Bilbo regelmäßig bewegt werden. Das können wir selbst so gar nicht leisten.“ Schneider ist – ebenso wie die anderen Vereinsmitglieder – voll berufstätig, er arbeitet für eine Bank in Luxemburg.

Das Finanzamt führt den Verein übrigens unter der Kategorie Sport. Auch Reitvereine fallen darunter. „Generell sind das Vereine, bei denen es um die körperliche Ertüchtigung geht, wie es im Beamtendeutsch so schön heißt“, sagt Schneider. Da passe der Mannebacher Verein hervorragend rein, findet er. „Schließlich motiveren unsere Esel die Menschen zum Wandern.“ Das funktioniert offenbar so gut, dass Termine für die Eselwanderungen oft schon weit im Voraus ausgebucht sind. Erste Überlegungen, die Herde um ein oder zwei Tiere zu vergrößern, gibt es daher schon. Möglicherweise grasen Gandalf und Bilbo also bald mit neuen Freunden auf Mannebacher Wiesen.

Lisa Bergmann