So wenige Azubiswie noch nie

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Trier. Die duale Berufsausbildung in Deutschland gilt als Vorbild für die ganze Welt. Doch das Vorzeigemodell bröckelt: Im vergangenen Jahr gab es einen neuen Tiefstand bei den Auszubildenden im Land. Was tun die regionalen Akteure gegen den Trend?

Seit fünf Jahren versuchen Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer (HWK), die Arbeitsagentur Trier und der Trierische Volksfreund mit der Ausbildungsmesse jugendliche Bewerber und Betriebe zusammenzubringen – ein Bauteil bei dem großen Bemühen, regionalen Unternehmen genügend Nachwuchs vorzustellen. Doch wie in Land und Bund sinkt die Zahl der neuen Azubis. „Rund 25 800 neue Azubis im vergangenen Jahr sind Negativrekord“, erklärt Marco Schröder vom Statistischen Landesamt in Bad Ems und nennt als Erklärung, dass an den rückläufigen Zahlen „die zunehmende Tendenz junger Leute, einen akademischen Bildungsabschluss anzustreben, Schuld hat.“

In Deutschland haben im vergangenen Jahr so wenige junge Menschen eine Berufsausbildung begonnen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 516 200 Frauen und Männern traten eine duale Ausbildung an, 0,4 Prozent weniger als 2014, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. In Rheinland-Pfalz waren es 25 722 junge Menschen und damit knapp 700 weniger als noch ein Jahr zuvor. Bei den IHK-Betrieben in der Region Trier sank die Zahl von 1967 auf 1888 Neuverträge. Bei der Handwerkskammer sank die Zahl von 1239 auf 1210. Seit 2010 ist die Zahl der Neueinträge im Handwerk sogar um 17 Prozent gesunken. „Dabei lohnt es sich, nach dem Schulabschluss zunächst eine Ausbildung anzugehen“, findet Günther Behr, HWK-Geschäftsführer. Abi, Studium und akademischer Beruf, dieser Dreisatz funktioniere vielfach nicht mehr.

Mit einer dualen Ausbildung oder dem dualen Studium stehe jungen Leuten dagegen die Berufswelt offen – Übernahmegarantie oft eingeschlossen. „Ausbildungsbetriebe müssen indes immer mehr Aufwand betreiben und kreativer werden, um die passenden Lehrlinge zu finden,“ sagt Heribert Wilhelmi, Leiter der Agentur für Arbeit Trier. Bei der Azubi-Suche gelte es, sich neue Bewerbergruppen zu erschließen.

Besonders am Herzen liegen dem Behördenchef jedoch die Jugendlichen, die immer noch zu häufig durchs Raster fallen. Dabei ist die Ausbildungsbereitschaft der heimischen Wirtschaft ungebremst hoch: Die knapp 3500 Bewerber konnten unter fast 4000 freien Lehrstellen aussuchen.

In vielen Branchen ist die Situation schwierig: Michael Borens, Obermeister der Bäckerinnung Trier-Saarburg: „Manche Betriebe suchen seit Jahren einen Lehrling und finden keinen einzigen Bewerber.“

Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung bei der IHK, sieht aber auch positive Entwicklungen: Die Zahl der Ausbildungsabbrüche ist von 165 (2014) auf 138 gesunken.