Karl May Freunde Pluwig: Den wilden Westen im Blick

Karl May Freunde Pluwig: Den wilden Westen im Blick

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Lisa Bergmann

Auf 10 000 Einwohner kommen in Rheinland-Pfalz 91 Vereine. Die Themen, denen sie sich verschrieben haben, sind vielfältig und liegen oft jenseits von Blasmusik und Fußball. Auch in Pluwig gibt es einen ganz besonderen Verein.

 

Pluwig. Cowboys, Indianer, Pferde, Schießereien: Alle zwei Jahre geht es auf einer Lichtung im Wald im Ruwertal so richtig rund. Für den Trubel verantwortlich zeichnen die Karl May Freunde Pluwig. Seit 15 Jahren bringt der Verein die Geschichten des berühmtesten Autors von Wildwestgeschichten auf eine Freilichtbühne im Trierer Land. In jeder Spielzeit gibt es ein anderes Stück nach den Romanen von Karl May zu sehen, zwölf Mal wird es pro Saison aufgeführt.

Idealisten mit vielen Aufgaben

„Für so eine Sache muss man schon Idealist sein“, sagt Edwin Christen, Vorstand des Vereins. 120 Aktive gibt es, die in jeder Spielzeit unzählige Aufgaben übernehmen. Sie sind Schauspieler, Regisseur, Techniker, Kulissenbauer, Kostümschneiderinnen oder Pferde-Betreuer – die Liste der Aufgaben für die Mitglieder ist lang. Alle sind berufstätig, investieren fast ihre ganze Freizeit für den Verein. Alles ehrenamtlich: „Wir zahlen auch den Schauspielern keine Gage“, sagt Christen. Andernfalls würden die Eintrittskarten zu teuer. Die Altersspanne ist groß: von zehn bis 70 Jahren sei jedes Alter dabei, sagt Christensen. Die Geschichte des Vereins begann 2001 mit der Idee der acht Gründungsmitglieder, für den guten Zweck ein Stück auf die Bühne zu bringen. Die Begeisterung für Karl May ist allerdings noch etwas älter, schon in den 90er Jahren traten einige der Mitglieder bei Fastnachtsumzügen mit passenden Motivwagen an. Das erste Bühnenstück war der „Schatz am Silbersee“, aufgeführt an einem Angelweiher bei Hockweiler. „Wir wollten es einfach mal probieren“, sagt Christen, „und es ist tatsächlich was daraus geworden.“ 1000 Menschen kamen in dieser ersten Spielzeit.

Seither gibt es alle zwei Jahre ein neues Stück – mittlerweile auf einem neuen Gelände. „Wir bekamen Probleme mit unserem Silbersee, denn der Angelverein hatte die Pacht inne“, erzählt Christen. Ein neues Gelände musste her. Fündig wurde der Verein in Pluwig, auf einer großen Lichtung an der Kreisstraße 63. Acht Jahre lang haben sie mit viel Eigenleistung das Gelände hergerichtet und 300 000 Euro investiert. So entstanden neue Wege, Leitungen wurden verlegt und eine große Fläche für die Bühne gerodet. Dort spielen sie nun alle zwei Jahre ein neues Stück. Die Kulissen werden für jedes Spiel neu angelegt, nur ein paar Fassaden entlang des Zugangs zur Tribüne bleiben immer stehen. „Damit die Zuschauer schon auf dem Weg dahin das richtige Feeling bekommen“, sagt Christen. Oberhalb der Tribüne gibt es außerdem eine Weide, eine Sattelkammer und einen Unterstand – Rundumversorgung für die vierbeinigen Darsteller. 24 bis 26 Pferde spielen je nach Stück mit. Von Anfang spielen die Huftiere eine wichtige Rolle in der Geschichte des Vereins. „Einige der Gründer sind richtige Pferde freaks“, sagt Christen. Nicht selten bringen auch auswärtige Pferdehalter ihr Tier vorbei, in der Hoffnung, dass es für das Stück gecastet wird.

Ob der Vierbeiner tatsächlich mitspielen darf, hängt übrigens weniger vom darstellerischen Talent als vom Gemüt des Tieres ab. „Wir testen sie auf Bühnentauglichkeit, ob sie ruhig bleiben, auch wenn hier die Schüsse knallen oder die Pyrotechnik los geht“, erklärt Christen. Schafft es ein Pferd in das Stück, wird es in der Regel während der gesamten Spielzeit auf dem Gelände des Vereins betreut.

Chancen für den Schauspiel-Nachwuchs

Was die Zweibeiner betrifft, könne jeder Mitglied im Verein werden – schauspielerisches Talent sei keine Voraussetzung, versichert Christen. „Jeder kann sich hier einbringen.“ Schließlich gibt es auch hinter der Bühne genug zu tun. Auch viele Jugendliche, erzählt Christensen, hätten großes Interesse daran, im Stück mitzuwirken. Die Hauptrollen sind den Vereinsmitgliedern vorbehalten, dennoch können sich auch auswärtige Schauspiel-Talente beweisen. „Wir geben Interessenten meist erstmal eine Statisten- oder kleinere Sprechrolle“, sagt Christensen. „So können die Leute sich ausprobieren.“ Die nächste Spielzeit beginnt am 23. Juni 2017. Zwölf Aufführungen sind geplant, zu sehen gibt es den Klassiker „Old Surehand“. Darin müssen Old Surehand und Winnetou gemeinsam einen Krieg zwischen Weißen und Indianern verhindern. Die Vorbereitungen laufen schon jetzt auf Hochtouren: derzeit laufen die Castings für die menschlichen Darsteller. Das Plakat hat eine Desgin-Studentin der Hochschule Trier gestatet. Diesmal sollen übrigens gleich 30 Pferde ihr Show-Talent beweisen.

Lisa Bergmann 

Tickets kosten 16, ermäßigt 12 Euro, Bestellung auf www.karl-may-freunde.de