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Beste Chancen für Jugendliche

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Trier. Die regionale Wirtschaft hat die Zeichen der Zeit erkannt. Es wird immer schwieriger, junge Leute als Nachwuchskräfte anzuwerben. Mit allerlei Initiativen und Aktionen versuchen Unternehmen, Jugendliche für sich zu gewinnen. In fast allen Branchen gilt sogar: Wer seine Ausbildung vernünftig meistert, hat eine Jobgarantie und beste Aufstiegschancen.

Rund 130 Jugendliche haben sich im vergangenen Jahr um einen Ausbildungsplatz bemüht und trotzdem keine Lehrstelle gefunden. Eigentlich nicht verständlich, denn allein im Handwerk sind derzeit rund 700 Ausbildungsplätze unbesetzt. Doch in der Berufswelt findet eben nicht jeder Topf direkt einen Deckel. Manchmal sind die Entfernungen zwischen Wohnort des Jugendlichen und Betriebsort zu groß, die jungen Menschen bringen nicht die notwendige Qualifikation mit oder haben kein Interesse an den Angeboten.

Horst Langen, Obermeister der Innung Sanitär-Heizung-Klima (SHK) Trier-Saarburg, kann davon ein Lied singen: „Viele unserer Betriebe finden keine geeigneten Jugendlichen. Wir als Innung versuchen dagegenzuwirken.“

Gute Mathe- und Physikkenntnisse sind schon notwendig, wenn man in einem SHK-Betrieb lernen möchte, dafür sind die Perspektiven aber glänzend. „Es gibt sozusagen eine Jobgarantie, und wer seinen Abschluss mit 2,0 schafft, kann gleich an der Hochschule studieren, wenn er möchte“, wirbt Langen bei den jungen Schülern.

Auch Günther Behr, Geschäftsführer bei der Handwerkskammer, sieht hier große Chancen für Schulabgänger. „Viele Eltern drängen sogar ihre Kinder darauf, weiter auf die Schule zu gehen oder zu studieren. Doch vernünftiger wäre es, zunächst eine fundierte Ausbildung anzugehen und dann seine weiteren Chancen zu nutzen“, findet Behr.

Zunehmend kümmern sich die Akteure in der Region auch um unzufriedene Studenten. „Unser Ausbilderarbeitskreis bemüht sich etwa darum, dass Jugendliche eine begonnene Lehre nicht abbrechen – aber inzwischen auch um Studenten, die mit dem Studium nicht zurechtkommen und eine Lehre anfangen“, erzählt Langen. Die SHK-Innung hat sogar FH-Studenten engagiert, die den Auszubildenden der Innungsbetriebe einmal pro Woche für zwei Stunden zur Seite stehen. „Für schwächere Azubis ist das eine Form der Nachhilfe, aber besseren Lehrlingen wird gleichzeitig eine Weiterbildung angeboten“, sagt der Obermeister.

Den Lehrling nachts abgeholt

Auch die Arbeitsagentur hilft: „Gerade junge Leute bieten viele Potenziale und können sich mit der richtigen Unterstützung positiv entwickeln,“ findet der Chef der Trierer Arbeitsagentur, Heribert Wilhelmi. Der Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter berät Unternehmen bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen. Er vermittelt geeignete Bewerber, informiert über neue Wege der Lehrlingsrekrutierung oder bietet Förderprogramme für schwächere Auszubildende an.

Doch zunächst muss man Schulabgänger für eine Lehre begeistern. „Ein Praktikum ist immer noch die beste Chance, einen Lehrling zu finden“, erklärt Michael Borens, Obermeister der Bäckerinnung Trier-Saarburg. Seine Kollegen hätten größte Probleme, Nachwuchs zu finden. Natürlich spiele dabei auch die ungünstige Arbeitszeit eine Rolle, doch das Problem darauf zu reduzieren reiche nicht aus. „Inzwischen bilden auch immer weniger Bäcker aus“, sagt der Obermeister. Viele aus Frust, weil sie über Jahre überhaupt keine Bewerber bekommen. „Ich weiß sogar von Chefs, die ihre Azubis jede Nacht zu Hause abgeholt haben, weil die Jugendlichen noch keinen Führerschein hatten und mit dem Bus gar nicht zur Arbeit gekommen wären“, sagt Borens.

Auch sonst engagieren sich manche Betriebe ungeheuer, um gute Bewerber anzulocken. Prämien bei guten Noten oder einem guten Abschluss, Übernahmegarantie, die PKW-Nutzung für den Azubi des Monats oder Weiterbildungsgutscheine.

Die Kreishandwerkschaften werben mit den Innungen in den Schulen für Handwerksberufe, und mit Messen und Infotagen versuchen die Akteur, die Chancen und die Vielfalt der dualen Ausbildung anzupreisen. „Viele Schüler und Eltern fokussieren sich nämlich auf rund zehn der etwa 240 in der Region angebotenen Ausbildungsberufe“, findet Heribert Wilhelmi.

Einen guten Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten bietet die gemeinsame Messe „Dein Tag, Deine Chance – Ausbildung jetzt!“ von HWK, Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur und Trierischem Volksfreund. Am Freitag, 13. Mai, 14 bis 17 Uhr, steigt in der Karolingerhalle in Prüm die achte Auflage (siehe oben).

„Es haben sich bereits mehr als 50 regionale Unternehmen angemeldet, wir sind ausgebucht“, sagt Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung bei der IHK. Heribert Waschbüsch

Unbesetzte Lehrstellen

Friseur/in 29

Koch/Köchin 22

Restaurantfachleute 21

Fachverkäufer Lebensmittel-

handwerk/Fleischerei 20

Hotelfachleute 20

Kaufleute Einzelhandel 14

Fleischer/in 12

Bäcker 10

KFZ-Mechatroniker 9

Elektroniker SHK 9

Quelle: Arbeitsagentur

Stand April 2016